Tagesgeschichten

Das sind doch keine Nachrichten!
Einfach nur furchtbar!
Das ist wirklich ein Scheiß-Tagesbeginn. Aber nachdem ich die fast schlaflose Nacht noch friedlich, nicht wirklich beunruhigt, sogar mit segensreichen Gedanken und Ideen überlebt habe, sind im Badezimmer die Nachrichten dran: Der "Teaparty-Klamauk" in den USA und das wahrscheinlich Zurückdrehen lange überfälliger sozialer Fortschritte für die Armen dort. Ich fürchte, viele "Fromme" sind mit dafür zuständig bei den Republikanern. Armer farbiger Barack Obama. – Und Assad in Syrien lässt weiter Panzer rollen und zelebriert blutige Unruhe unter den nach mehr Freiheit strebenden Menschen. – In Somalia steigert sich die Hungersnot und Hilfslieferungen werden gehindert, zu landen, wo sie hingehören. Oh, Herr! – Meldungen aus Deutschland sind auch nicht erfreulich…
Ich gehe raus – durch den Vorgarten, freue mich an den zwei schon blühenden Sonnenblumen, die echte Sonne scheint heute auch und der Hibiskus blüht lila, die ungewöhnliche Dreimasterblume blüht vielfach blau, die Rosen lachen rot, die Studentenblume steht auf sonnig, viele noch grüne Sonnenblumen warten auf ihren goldigen Tag, der verkümmerte kleine Rosenstrauch lächelt mit seiner zweiten Blüte: eine schöne Knospe. Das will ja nichts heißen. Oder doch.
Ich bin am Zeitungskasten, schließe auf, nehme die Märkische Allgemeine Zeitung heraus und was passiert? Ein kleiner, süßer Schmetterling, eingesperrt, flattert aus den schlimmen Zeitungsseiten heraus in die Freiheit. In die Freiheit. Über mein Gesicht und – sogar ein bisschen durch mein Gemüt – leuchtet ein Lachen. Wie schön. Ja, ja, ich weiß, schönes, farbiges Beiwerk, Trostpflästerchen. Und als ich nach Frühstück und Tablettenschlucken Zeitung lese, fällt mein Blick gleich auf die Karikatur, Seite 2: Im Weißen Haus, hinter dem Präsidentenpult stehen drei gewichtige, mittelschwer erschrockene Männer und starren auf ein schwarzes Loch. Über ihnen ein Schild: "Obama ver-kündet den Durchbruch". Das hat doch was. Aber es hat noch mehr: Nächste Seite: Foto - Obama mit neuerdings Grau im Haar. Das sagte gestern Abend schon jemand im TV. Es ist ja auch zum Grauen, was gleich daneben steht: "Ägyptische Armee räumt den Tahrir-Platz. Kairo: Die ägyptische Armee hat gestern Hunderte Demonstranten mit Panzern vom Tahrir-Platz vertrieben. … Demokratie- und Oppositionsbewegungen wollen die Dauerblockade des Platzes während des Fastenmonats Ramadan aussetzen. Nach ihrem Abzug blieben noch etwa 250 Besetzer zurück. Gegen sie richtete sich die Armee-Aktion."
Endlich mal wieder Panzer. Keine Leopard 2-Panzer. Aber vielleicht welche von den Panzern – waren es 100 in DDR-Leipzig mit speziellen Demonstranten-Wegwerf-Schiebekonstruktionen, die an den Wendetagen gnädigerweise nicht zum Einsatz kamen, als die vielen Menschen aus der Kirche und von den Straßen gewaltlos, mutig für Freiheit marschierten? Wer weiß. Jedenfalls sind viele der DDR-Waffen in aller Welt günstig verkauft worden. Im BRD-Regierungsauftrag, so wie es jetzt mit den Kampfpanzern vorgesehen ist.
Das sind keine Nachrichten zum "Sich-danach-richten". Oder doch. Aber eben anders als geplant und beschlossen und wegen der zukünftigen Millionengewinne wohl schon mit Sekt begossen. Es gibt eine furchtbare Ökonomie der Hölle, die von raffgierigen Menschen betrieben wird. Wir sind darin verstrickt. Berufen sind wir als Christen und Christinnen und gutwillige Bürgerinnen und Bürger aber dem guten Willen des Himmels zu dienen. Christus will Frieden. Wir sind durch das Evangelium und die Menschenrechte auch dazu berechtigt, dafür einzutreten. Segne uns Gott, dass wir – wie der kleine Schmetterling – aus dem Gefängnis entfliehen können, dass wir – wie hoffentlich Obama – einen neuen Weg gewiesen bekommt, gute Ziele anzustreben! – Ich warte schon seit Stunden auf die Nachricht der Generalsekretärin, ob wir das E-Mail-Adressenmaterial für die Baptistengemeinden bekommen können. Für 11 Uhr war uns eine Mitteilung zugesagt worden. Jetzt ist es 14.13 Uhr am 2. August 2011.
Hans Stapperfenne